Filmfestivals debattieren beim FFC über Politik und zivilgesellschaftliche Werte

Filmfestivals debattieren beim FFC über Politik und zivilgesellschaftliche Werte
© FFC

Beim 28. FilmFestival Cottbus (FFC) kamen im Rahmen des Netzwerktreffens „Filmfestivals zwischen Politik und zivilgesellschaftlichen Werten“ Vertreter renommierter osteuropäischer Filmfestivals sowie Filmschaffende und -journalisten aus den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland zusammen, um sich über die Situation in den jeweiligen Ländern auszutauschen.

Die Filmfestivals, die sich beim FFC zusammenfanden, begreifen sich in ihren jeweiligen Ländern als Orte der Begegnung. Sie befeuern dort mit ihren Programmen den Dialog über zivilgesellschaftliche Themen. Dabei dienen sie im Rahmen des interkulturellen und zwischenstaatlichen Dialoges nicht zuletzt als Plattform für den Austausch zwischen Vertretern aus Ländern, die ihre Gesprächsbereitschaft auf politischer Ebene bereits eingestellt haben. Jedoch stehen Festivals vor unterschiedlichen ökonomischen und politischen Herausforderungen: So wurde das vom belarussischen Kulturministerium bewirkte Aufführungsverbot von zwei Filmen im nationalen Wettbewerb des international renommierten „Listopad“-Filmfestivals in Minsk (Belarus) zum Politikum. Die aserbaidschanische Regierung wiederum ließ im vergangenen Jahr politischen Druck auf Filmfestivals ausüben, die den iranisch-armenischen Film YEVA zeigen wollten, so verbot das Gouverneursamt Istanbul die Vorführung auf deren Bitte hin. Der Film der im Iran geborenen Regisseurin Anahid Abad, der von Armenien in die 2018er-Oscar-Vorauswahl entsandt wurde, erwecke den Eindruck, Bergkarabach sei armenisches Territorium. Der Vorfall YEVA schlug Wellen in der Türkei, war aber keine Ausnahme, wie auf dem Netzwerktreffen angemerkt wurde, da Aserbaidschan auf verschiedene Regierungen unangemessenen politischen Druck ausübte und so diplomatische Wege missbrauchte.

Die Runde, an der Filmfestivalvertreter des „Golden Apricot“ Filmfestivals (Erewan/ Armenien), des Tbilisi International Film Festival (Georgien), des Dokumentarfilmfestivals „Cronograf“ in Chisinau (Moldawien), des Moskauer Dokumentarfilmfestivals „Doker“ (Russland), das Odesa International Film Festival (unserem Partner in diesem Projekt), wo sich im Juni das Netzwerk ebenfalls getroffen hatte, sowie Filmjournalisten und Filmemacher aus allen Ländern der Östlichen Partnerschaft (Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Republik Moldau, Ukraine) und Russland teilnahmen, betonte die Rolle des gegenseitigen Austauschs und der Solidarität in der Filmlandschaft der Region.

Film wurde als Ausgangspunkt einer Reflektion des Status Quo der Zivilgesellschaft in den betreffenden Ländern bezeichnet. Filmjournalismus kann in diesem Kontext einer seiner vornehmsten Aufgaben nachkommen und gesellschaftliche Diskussionen anstoßen. Daher wurde das Netzwerktreffen mit einem Workshop für junge Filmjournalisten aus den betreffenden Ländern begleitet, in dessen Rahmen die Teilnehmer über die gesellschaftsanalytische Funktion von Filmen diskutierten, wie etwa Ivan I. Tverdovskiys PODBROSY | JUMPMAN (Russland, beim FFC ausgezeichnet mit dem Spezialpreis für die beste Regie), der den Missbrauch rechtsstaatlicher Instanzen für korrupte private Zwecke kritisiert, ZAVTRA | MORGEN | TOMORROW (Belarus) über die Situation arbeitsloser älterer Menschen in der Provinz oder MEZOBLEBI | NACHBARN | NEIGHBOURS (Georgien) über die sozialen Folgen unbotmäßiger Gentrifizierung. Im Rahmen dieses Workshops verdeutlichte sich allerdings auch die Krise der Filmkritik, die sich keinesfalls nur im Osten Europas sondern international konstatieren lässt. Sich ökonomischen Zwängen beugend, verkümmern die Fähigkeiten der Filmkritik zur gesellschaftlichen Analyse immer weiter hin zu einem verlängertem Marketing.


Über das Netzwerk Östliche Partnerschaft
Initiiert vom FilmFestival Cottbus trifft sich das Netzwerk Östliche Partnerschaft seit 2017 jährlich beim Odesa International Film Festival und dem FilmFestival Cottbus zum Austausch. 
Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt die Veranstaltung beim FilmFestival Cottbus.

Über das FilmFestival Cottbus 
Das 28. FilmFestival Cottbus fand vom 6. bis 11. November 2018 statt. In vier Wettbewerben und elf weiteren Sektionen zeigte das FFC 220 Filme, die um ein Preisgeld von mehr als 80.000 Euro und die begehrte Preisskulptur LUBINA (sorbisch: die Liebreizende) konkurrierten. 
Über 22.000 Zuschauer besuchten 2018 das Festival des osteuropäischen Films in Cottbus. 
Maßgeblich unterstützt wurde das 28. FilmFestival Cottbus vom Land Brandenburg, der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, der Stadt Cottbus, dem Auswärtigen Amt und dem Creative Europe-Programm der Europäischen Union.

Das 29. FilmFestival Cottbus findet vom 5. bis 10. November 2019 statt.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok