Jahresauftakt mit Preisverleihung: East European Brunch in Berlin

East European Brunch 2017
East European Brunch 2017 Thomas Goethe

Das FilmFestival Cottbus und der Ost-West Koproduktionsmarkt connecting cottbus (coco) feierten auf dem traditionellen East European Brunch im Rahmen der Berlinale am Mittwoch den Start in den neuen Jahrgang und vergaben jeweils einen Preis.

Nach der Begrüßung durch Staatssekretär Martin Gorholt (Bevollmächtigter des Landes Brandenburg beim Bund und Beauftragter für Internationale Beziehungen), Programmdirektor Bernd Buder und Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus überreichte Dr. Gertraude Müller-Ernstberger, Geschäftsführerin der Münchener Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film und Fernsehrechten mbH (GWFF), gemeinsam Bernd Buder, ein mit 4.500 EUR dotiertes Stipendium an Radka Babincová. Die 23-jährige Slowakin studiert derzeit Produktion an der Academy of Performing Arts (VŠMU) in Bratislava und verfügt, trotz ihres jungen Alters, bereits über einige Erfahrungen als Produzentin von Kurzfilmen, in der Stoffentwicklung sowie im Filmverleih. „Ich bin überwältigt von dieser Auszeichnung. Dieses Stipendium hilft mir meinen Wunsch zu erfüllen und nach meinem Abschluss in Bratislava Kurse an der University of California (UCLA), School of Theater, Film and Television zu belegen. Ich danke dem FilmFestival Cottbus und der GWFF für diesen Preis“, so die glückliche Stipendiatin.

Bereits im Vorfeld dieser Preisvergabe gab Bernd Buder einen kurzen Ausblick auf den 27. Festivaljahrgang. Neben den drei Wettbewerben für Spiel-, Jugend- und Kurzfilm, die erneut die faszinierende Bandbreite des osteuropäischen Kinos zeigen, laufen in weiteren zehn Sektionen Filme für Zuschauer zwischen drei und 90 Jahren. Das FilmFestival Cottbus schlägt erneut den Bogen vom internationalen Kino zum regionalen Filmschaffen. „Auch in diesem Jahr setzt sich das FilmFestival Cottbus akzentuiert mit Geschichte und Politik auseinander“, erläutert Bernd Buder die diesjährigen Specials: „Der ‚Fokus‘ beschäftigt sich mit der vietnamesischen Diaspora in (Ost)deutschland, Polen und der Tschechischen Republik und reflektiert damit ein wichtiges Kapitel internationaler Migrationsgeschichte zwischen Kriegsflucht und ökonomisch bedingter Auswanderung. Specials widmen sich dem weithin wenig bekannten Filmland Belarus, wo sich derzeit eine unabhängige Filmszene entwickelt und der multikulturellen Region Oberschlesien, in der es traditionell ein ausgeprägtes Regionalbewusstsein gibt.

Aus Anlass des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution zeigt die Reihe ‚Bruderkuss! - Vision und Alltag im Sozialismus‘, die im Vorfeld des Festivals bundesweit auf Tournee geht, wie osteuropäische Filmemacher seit dem ‚Kalten Krieg‘ die Widersprüche zwischen sozialistischer Utopie und Tagesgeschäft, zwischen Ideologie und Freiheitssehnsucht kommentieren. Der Sinn fürs genaue Hingucken, die Aufmerksamkeit für systembedingte zwischenmenschliche Defizite wird heute, in einer Zeit, in der Fakten mit Füßen getreten werden und sich Populisten in Regierungsämtern über Recht und Gesetz erheben, bittere Notwendigkeit.“

Der Tradition folgend vergab der Ost-West Koproduktionsmarkt connecting cottbus, welcher während des FilmFestival Cottbus stattfindet, ebenfalls einen Preis. Der Special Pitch Award ging an Jan P. Matuszyński aus Polen. Der Regisseur war mit seinem Erstlingswerk THE LAST FAMILY im Wettbewerb Spielfilm des 26. FilmFestival Cottbus vertreten und gewann den – mit 3.000 EUR von der BTU Cottbus-Senftenberg und der Filmuniversität Babelsberg dotierten - Preis für den besten Debütfilm. Übernommen wurde der Preis stellvertretend vom Produzenten Leszek Bodzak. Mit dem Special Pitch Award verbunden ist eine Einladung zu coco 2017 (09. bis 10. November). Hier wird der Regisseur gemeinsam mit einem Produzenten sein neuestes Projekt präsentieren.

connecting cottbus ist einer der am längsten existierenden Koproduktionsmärkte und hat sich als Kompetenzzentrum für den Erfahrungs- und Wissensaustausch über Ost-West-Koproduktionen für Spielfilme etabliert. coco präsentiert auch in diesem Jahr zehn sorgfältig kuratierte Filmprojekte, die aus Osteuropa stammen oder die mit dieser Region verbunden sind. Rebekka Garrido, im dritten Jahr Direktorin von connecting cottbus, es beschreibt: "Viele coco-Filme wurden zu echten Erfolgsgeschichten - einige von ihnen vertreten ihre Länder bei den Oscars. Unter den jüngsten möchte ich besonders THE HIGH SUN, A GOOD WIFE und KILLS ON WHEELS hervorheben. Wir freuen uns auf unsere 19. coco-Edition im November 2017."

Das 27. FilmFestival Cottbus findet vom 7. bis zum 12. November 2017 statt. Im vergangenen Jahr wurden an sechs Festivaltagen insgesamt über 200 Filme aus 45 Ländern gezeigt und mehr als 20.000 Besucher in die Kinos und Rahmenprogrammveranstaltungen gelockt. Das FilmFestival Cottbus wird maßgeblich unterstützt vom Land Brandenburg, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, der Stadt Cottbus sowie dem Creative Europe – MEDIA-Programm der Europäischen Union, dem Auswärtigen Amt sowie der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM).