Netzwerk Östliche Partnerschaft beim 27. FilmFestival Cottbus

Julia Sinkyevich (Direktorin des Odesa International Film Festival, Ukraine) und Bernd Buder (Programmdirektor des FilmFestival Cottbus)
Julia Sinkyevich (Direktorin des Odesa International Film Festival, Ukraine) und Bernd Buder (Programmdirektor des FilmFestival Cottbus) © FFC Goethe

Filmfestivals tragen fundamentale Werte in die Gesellschaft

Zum 27. FilmFestival Cottbus kamen im Rahmen des Netzwerks Östliche Partnerschaft Filmschaffende und Vertreter renommierter osteuropäischer Filmfestivals zusammen, um sich über die Situation in den jeweiligen Ländern auszutauschen. 
Das Netzwerktreffen in Cottbus mit Vertretern aus den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland ist die Fortsetzung einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen des Odesa International Film Festival (14. bis 21. Juli 2017) stattfand.

Das Medium Film reflektiert auch in Osteuropa zivilgesellschaftliche Diskurse und erörtert dabei ebenso historische und soziale Tabu-Themen. Mitunter geraten Filmschaffende, aber auch Filmfestivals, die sich als Foren für den gesellschaftlichen Dialog verstehen, hierbei unter politischen und ökonomischen Druck. Die Teilnehmer erörterten, inwiefern Filmfestivals den zivilgesellschaftlichen Dialog in Osteuropa stärken können und gingen unter anderem der Frage nach, wie sich ökonomische und politische Rahmenbedingungen auf die Programmierung auswirken.

Am Freitag (10.11.) trafen sich in Cottbus nun Julia Sinkyevich (Leiterin Odesa International Film Festival, Ukraine), Susanna Haratyunyan (Leiterin Golden Apricot Film Festival, Erewan, Armenien), Yevgeniy Gindilis (Produzent und Mitinitiator der Kino/Filmmarktinitiative "Kinopoisk", Moskau, Russland), Virgiliu Margineau (Leiter und Gründer Cronograf International Documentary Film Festival, Chisinau, Republik Moldau), Anna Chkonia (Programmkoordinatorin Tbilisi International Film Festival, Georgien), Samaya Asgarova (Verleiherin, Produzentin, Baku, Aserbaidschan) und Bernd Buder (FilmFestival Cottbus).

Ein Fazit der Teilnehmer des Netzwerktreffens zum 27. FilmFestival Cottbus ist, dass die Festivals und Filmemacher mit ihrer Arbeit wichtige alternative Standpunkte sowie fundamentale Menschenrechte und Werte an das Publikum und somit in die verschiedenen Gesellschaften tragen können.

Thematisiert wurde u.a. die inzwischen durchbrochene, jahrzehntelange Stagnation der Filmindustrie in den verschiedenen Ländern. Eine der Aufgabe von Filmfestivals sei es daher, dem Publikum das Medium Film wieder näherzubringen. Zum Teil ist dies den Vertretern schon gelungen bzw. durch sie verbessert worden: Die Bevölkerung nehme die Festivals begeistert auf.

Dabei leisteten die Festivals eine wichtige Unterstützung für die Arbeit von Filmemachern, insbesondere im Arthouse-Bereich und bei unabhängigen Filmen. Diese könnten sich sowohl besser miteinander vernetzen als auch auf eine Art und Weise öffentlich präsentieren, wie es sonst in der osteuropäischen Kinolandschaft selten möglich ist.

Eine der großen Herausforderungen, denen sich die Diskussionsteilnehmer ausgesetzt sehen, ist die finanzielle Förderung und damit Ermöglichung der Filmfestivals. Staatliche und private Geldgeber dürften keinen Einfluss auf die Programmausrichtung haben. Die Balance zwischen Finanzierung und unabhängigen Inhalten der Festivals müsse gewährleistet sein und eine Lenkung des Programms von außen verhindert werden. Beklagt wurde die Einflussnahme durch staatliche Zensurversuche und rechtspopulistische Proteste, etwa gegen Vorführungen von Filmen mit LGBT-Thematik.

Einigkeit herrschte bei den Festival- und Filmemachern auch darüber, dass Kooperation, Solidarität und Vertrauen über die nationalen Grenzen hinweg entscheidend für die Entwicklung der Festivals und Filmbranche sind. Die Regulierung hoher Leihgebühren für Filme, eine bessere Werbung und höhere Chancen auf den Vertrieb von Filmen sowie ein Austausch zu wichtigen thematischen Inhalten könnten gemeinsam besser gestaltet werden.

Das 27. FilmFestival Cottbus zeigt in seinem diesjährigen Programm Filme aus den betreffenden Ländern der Festivalvertreter, die zeigen, wie Film relevante gesellschaftliche Themen diskutiert. Die Veranstaltung wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt.

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