PM 06/2018: Politisch wie noch nie – das 28. FilmFestival Cottbus baut Brücken

Cottbus, 09.10.2018

Politisch wie noch nie – das 28. FilmFestival Cottbus baut Brücken

Rassismus, Antisemitismus und Xenophobie sind Themen, mit denen sich das FilmFestival Cottbus und die Filme seines 2018er-Programms auseinandersetzen. Auf der Leinwand reflektiert das FFC so die politische Kultur in Osteuropa und bringt sich in Diskussionen ein, die in Deutschland und ganz Europa geführt werden.

Das FilmFestival Cottbus zeigt in seiner 28. Ausgabe (6. bis 11. November 2018) die Vielfalt Osteuropas, hinterfragt einseitige Geschichtsbilder, macht neugierig auf andere Sichtweisen und stemmt sich damit gegen zunehmende Polarisierung des politischen Diskurses unter dem Einfluss des Populismus – und das nicht nur in diesem Jahr, sondern aus guter Tradition. „Das FilmFestival Cottbus nimmt seine Verantwortung als Dialogplattform wahr – und das an einem Ort, wo Positionen unversöhnlich scheinen“, sagt Bernd Buder, Programmdirektor des FilmFestival Cottbus. „Wer miteinander spricht, beginnt das eben noch Fremde zu verstehen. Eine der ganz großen Stärken des osteuropäischen Films ist es, zwischen den Zeilen zu diskutieren, gesellschaftliche Gewissheiten in Frage zu stellen und in neue Zusammenhänge zu bringen. Das greifen wir in unseren Kinos auf, sie sind ein öffentlicher Raum, wo Meinungsvielfalt jenseits der eigenen Filterblase erfahrbar wird.“

Ein instrumentalisierter Rechtsstaat, kasachischer Feminismus, der auf das Patriarchat trifft, Korruption und Migration – gerade die Werke des Wettbewerb Spielfilm geben Anlass zu Diskussion und Reflektion. 
Beim FilmFestival Cottbus ist der russische Regisseur Ivan I. Tverdovskiy, der mit seinen kritischen Werken Zoologiya | ZOOLOGIE (2016) und KLASS KORREKTSII | LENAS KLASSE (2014) jeweils u.a. den Festival-Hauptpreis gewann, gern gesehener Stammgast. Mit PODBROSY | JUMPMAN gelingt Tverdovskiy eine dramaturgisch beeindruckende Metapher für die Beugung des russischen Rechtssystems durch Partikularinteressen. Er formuliert einen bitteren Kommentar zur Kosten-Nutzen-Aufrechnung auch in intimsten verwandtschaftlichen Beziehungen. 
In der mazedonischen Populismus-Farce GODINA NA MAJMUNOT | DAS JAHR DES AFFEN  (Regie: Vladimir Blaževski) flüchtet ein Affe aus dem Zoo. Das Tier wird zum Liebling der Bevölkerung und zum Symbol, mal der albanischen, mal der mazedonisch-slawischen Bevölkerungsgruppe. Die Komödie zeigt die Absurditäten korrupter Polit-Praxis, nationalistischer Geschichtsinterpretationen und von Verschwörungstheorien auf – und zieht dabei alle Seiten geschickt durch den Kakao. 
Mit dem kasachischen Beitrag OTVERGNUTYE | ABGELEHNT setzt Regisseurin Zhanna Issabayeva konsequent ihre feministische Linie fort, die sie mit NAGIMA (Berlinale 2013) und SVETA (2017) begonnen hat. Einer Ballade gleich, inszeniert sie eine pessimistische Reflektion der patriarchalen Gesellschaft, in der die raue Schönheit der Landschaften einen Kontrapunkt zu der tristen gesellschaftlichen, von Gewalt und Nepotismus bestimmten, Wirklichkeit setzt. Issabayeva ist eine von sechs Regisseurinnen im Wettbewerb Spielfilm, womit die Hälfte der Beiträge von Frauen inszeniert wurde. 
Sergey Dvortsevoys AYKA nimmt sich dem Schicksal einer illegalen Migrantin an, VIA CARPATIA von Studentenoscar-Preisträgerin Klara Kochańska reflektiert die ambivalente Haltung des mitteleuropäischen Mittelstandes zur Flüchtlingskrise und die albanische Polit-Farce DELEGACIONI | DIE DELEGATION (Regie: Bujar Alimani) zeigt ein totalitäres System im Übergang. 
Wie könnte ein Filmprogramm besser die relevanten Themen der aktuellen politischen Debatten aufgreifen als dieser Wettbewerb des 28. FFC?

Das unterstreicht auch die Aussage von Heiko Maas, Bundesminister des Auswärtigen, der in seinem Grußwort zum Festival sagt: „Demokratie, Freiheit und Menschenrechte sind Werte, die das Fundament Europas bilden. Für diese Werte müssen wir uns starkmachen und Populisten und Euroskeptikern entschieden entgegentreten. In einer Welt, die sich ständig im Umbruch befindet, müssen wir uns aber auch darum bemühen, immer wieder neu zu verstehen, was unsere Gesellschaften aktuell umtreibt, welche Ängste existieren und wo die Probleme liegen. Als ‚Schlüssel zur Gesellschaft‘ kommt dem Medium Film hier eine wichtige Bedeutung zu.“

Anknüpfungspunkte, von denen eine politische Diskussion ausgehen kann, prägen das gesamte FFC-Programm auch jenseits des Wettbewerb Spielfilm. Die Filmemacher diskutieren drängende Fragen der Zeit vielstimmig und geben mit ihren Werken Antworten, die manchen überraschen. 
So reflektieren Filme aus Russland und der Ukraine den Konflikt im Donbass mit ähnlichem Entsetzen über die gewalttätigen Eskalationen der militärischen Gewaltspirale. Gerade das ukrainische Kino, dem das FFC die Reihe CLOSE UP UA widmet, gehört gegenwärtig zu den interessantesten Osteuropas. Zwischen dem Krieg im Osten und der EU-Annäherung im Westen schärfen die ukrainischen Filmemacher mit ganz unterschiedlichen Arbeiten die Diskussion zwischen patriotischer Geschichtsinterpretation und zivilgesellschaftlichem Diskurs. Die Reihe CLOSE UP UA wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Interessante Perspektiven offenbaren die Beiträge im deutsch-polnisch-tschechischen U18 Wettbewerb Jugendfilm. Robert Gliński, Bruder des derzeitigen polnischen Kultusministers Piotr Gliński, legt mit CZUWAJ | SEI WACHSAM eine Metapher auf die rechtspopulistische Regierung vor: Er zeigt rücksichtslose Moralisten ohne Empathie und Toleranzverständnis, die für ihre Werte über Leichen gehen. 
Esther Niemeier erörtert in TRACING ADDAI, einem der deutschen Beiträge, warum der Islamische Staat für Jugendliche so anziehend ist und welche bittere Enttäuschung sie vor Ort erwartet.

Historisch und politisch gleichermaßen interessant, da beängstigend aktuell, wird doch vielerorts wieder zu Denunziation aufgerufen, werden Ängste und Misstrauen in Privat- und Berufsleben geschürt: Die Reihe FREUND ALS FEIND geht der Frage nach, wie totalitäre politische Systeme Menschen zum Verrat an ihren Liebsten treiben – und meint damit ausdrücklich nicht nur die Stasi.  Die Sektion FREUND ALS FEIND wird gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Mit REGIO: SILESIA erkundet das FFC eine Region, die – wie die Lausitz – mit dem Ende des Bergbaus als wesentlicher Wirtschaftsfaktor umgehen und neue ökonomische Perspektiven finden muss. 
Ein Thema, das Cottbus und die Lausitz bewegt. Das betont auch der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch in seinem Festival-Grußwort: „Für mich war und bleibt es wichtig, dass das blaue Band des FilmFestival durch Cottbus/Chóśebuz nicht, wie bei anderen Festivals, auf den roten Teppich der Show führt, sondern auf den blauen Teppich der Verständigung des europäischen Ostens bis hin zum Austausch über lokale und regionale Herausforderungen.“ 
Die Filmreihe REGIO: SILESIA entstand in inhaltlicher Kooperation mit Silesia-Film und wird unterstützt von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa.


Über das FilmFestival Cottbus 
Das 28. FilmFestival Cottbus findet vom 6. bis 11. November 2018 statt. In vier Wettbewerben und elf weiteren Sektionen zeigt das FFC fast 200 Filme, die um ein Preisgeld von circa 80.000 Euro und die begehrte Preisskulptur LUBINA (sorbisch: die Liebreizende) konkurrieren. 
Über 20.000 Zuschauer besuchen jedes Jahr das Festival des osteuropäischen Films in Cottbus. 
Maßgeblich unterstützt wird das 28. FilmFestival Cottbus vom Land Brandenburg, der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, der Stadt Cottbus, dem Auswärtigen Amt und dem Creative Europe-Programm der Europäischen Union.


SAVE THE DATE! – Pressekonferenzen

Mittwoch, 17.10.2018 – Berlin und Cottbus

Berlin, 10.30 – 11.30 Uhr

Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund 
Kurfürstensaal 
In den Ministergärten 3, 10117 Berlin

Cottbus, 16.00 Uhr 
Stadthaus 
Tagungsraum Zielona Góra (Raum 1.5) 
Erich Kästner Platz 1, 03046 Cottbus

Um Anmeldung wird gebeten.

 

Für weitere Informationen sowie sende- und druckfähige Bilder wenden Sie sich gerne an unsere PR- und Marketing-Manager Anne-Kathrin Rensch, Denis Demmerle und Heiko Straehler-Pohl.

Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Telefon: +49 (0) 355/4310714

 

Pressemitteilung 06/2018 zum Download

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