SEKTION: Regio: Lower Silesia

Zwölf Filme werfen einen Blick auf die polnische Region Niederschlesien mit ihrer charismatischen Hauptstadt Wrocław/Breslau. Einblicke in Alltag und Geschichte, Krieg und Vergebung, rechtsfreie Räume und fantasievollen Protest – zwischen Western-Motiven und Experimentalkunst.


Seit 1945 wurden in Breslau/Wrocław und in der Region über 400 Kinofilme produziert. Besonders seit den letzten Jahren boomt das Kino in und aus Niederschlesien. Das FilmFestival Cottbus zeigt ein spannendes Geflecht aus Spiel- und Dokumentarfilmen, Archivmaterial und Filmen der Off-Szene, die uns mit einer kulturpolitischen und geschichtlichen Landschaft vertraut machen.

Das Kino aus Niederschlesien ist auch eine einzigartige Gelegenheit, Europas Geschichte der letzten 70 Jahre zu verstehen und den kulturellen sowie sozialen Wandel einer Region zu erleben. Lange nach dem Zweiten Weltkrieg war die Wahrnehmung von Schlesien durch ein verzerrtes Wunschbild oder eine vom Schmerz der Vertreibung überschattete Vergangenheit geprägt. Erst in den 1960er-Jahren trauten sich Filmemacher, abseits von Propagandastreifen und der staatlich reglementierten Narration, die Geschichte Niederschlesiens zu erzählen. Filme wie Jerzy Hoffmans DAS GESETZ UND DIE FAUST, Siegfried Kühns KINDHEIT oder EIN JAHR DER RUHENDEN SONNE von Krzysztof Zanussi zeigen uns ein differenziertes Bild der Region. Sie erzählen deutsch-polnische Geschichte auf höchstem filmischem Niveau – mal poetisch, mal schonungslos. Dokumentationen wie DER HIRTENBRIEF komplettieren die Spielfilmreihe. Ohne Bischof Bolesław Kominek und seine berühmte Botschaft „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ wäre der Kniefall Willy Brandts 1970 am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos kaum nachzuvollziehen und die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze schwer vorstellbar. Wie ist Versöhnung möglich, wenn nicht dank der Vergebung? Nur ein offener und vorurteilsfreier Zugang zur Vergangenheit, abseits einseitiger Perspektiven, bietet die Chance für eine gemeinsame Zukunft.

In der niederschlesischen Metropole Wrocław musste sich eine neue und aktive Filmszene erst etablieren. Daran mitgewirkt haben so bekannte und unterschiedliche Filmemacher wie Bodo Kox (das FFC präsentierte 2017 THE MAN WITH THE MAGIC BOX von ihm), Jan Jakub Kolski, der Begründer des magischen Realismus im polnischen Kino, und Przemysław Wojcieszek, der Beatnik der polnischen Filmszene. KM

Jan Jakub Kolskis Film BEGNADIGUNG wird vom Kozzi Film Festival Zielona Góra präsentiert.

Regio: Lower Silesia wird gefördert von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und unterstützt vom Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Begleitend zur Filmreihe präsentiert das Festival in Kooperation mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz deren Ausstellung „Schlesien nach 1945“.

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