30. FilmFestival Cottbus – das digitale Jubiläumsprogramm im Überblick

Cottbus, 4.12.2020

150 Filme bietet das 30. FilmFestival Cottbus (FFC) vom 8. bis 31. Dezember 2020 im bundesweiten Stream an. Komödien, Krimis, Thriller, Dokumentationen – das ost- und mittelosteuropäische Kino überzeugt mit großer Genre- und Themenvielfalt nicht nur in den vier Wettbewerben, sondern auch den weiteren elf Filmreihen. Die Sektionen des digitalen Jubiläumsprogramms im Überblick.

„Das FilmFestival Cottbus ist mit seinen Wettbewerben nicht nur eine Leistungsschau des osteuropäischen Kinos, sondern beschäftigt sich traditionell auch tiefgehend mit Kultur, Geschichte und Politik in Osteuropa“, sagt Bernd Buder, Programmdirektor des FilmFestival Cottbus. „Zahlreiche Spezialsektionen erkunden bestimmte Filmländer und diskutieren relevante Themen, deren Bedeutung meist weit über den osteuropäischen Kontext hinausreicht. So macht unser Programm neugierig auf eine Region, die sich durch eine faszinierende kulturelle Vielfalt auszeichnet. Erstaunlich ist auch immer wieder die Kreativität, mit der es Filmschaffende zwischen der Elbe und Zentralasien schaffen, ganz unterschiedliche Zielgruppen aller Altersklassen anzusprechen.“

 

Filmreihen des 30. FFC im Überblick

Spectrum

Das Spectrum präsentiert filmische Entdeckungen und variantenreiche Unterhaltung à la carte: Vom Politthriller wie EXTRACURRICULAR von Ivan-Goran Vitez über den autobiographisch geprägten THE FLYING CIRCUS von Fatos Berisha, der ganz offensichtlich ein Faible für Monty Python hat. Von der estnischen Animations-Komödie OLD MAN CARTOON MOVIE bis hin zu THE LAWYER, einem Beziehungsdrama zwischen einem syrischen Geflüchteten und einem litauischen Rechtsanwalt.

Close Up WWII

75 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs: Klassiker treffen auf neue Erkenntnisse, Nachdenkliches auf Action, persönliche Spurensuchen auf kollektive Blickwinkel. Im Vordergrund steht die Frage nach der Verantwortung, nach Aufarbeitung, nach dem Verhältnis zwischen Heldentum und Traumata und nach der Interpretation von Geschichte.

Close Up WWII umfasst drei Reihen: In „Heldentum und Trauma“ treffen Klassiker wie DIE KRANICHE ZIEHEN (Michail Kalatosow, 1957) auf neue Filme. So wie auf Bohdan Slámas SHADOW COUNTRY, der den Kreislauf von Gewalt und Rache zwischen Deutschen und Tschechen in einem kleinen böhmischen Dorf von den 1930er-Jahren bis Kriegsende zeigt. Oder auf den litauischen Spielfilm ISAAC von Jurgis Matulevicius, der die Geschichte eines antisemitischen Massakers aufarbeitet und dabei Fragen nach der Täterschaft in einem gänzlich neuen Licht beleuchtet. Beide Filme sind erstmals in Deutschland zu sehen.

Die vom Kulturland Brandenburg e.V. geförderte und vom Deutschen Kulturforum östliches Europa unterstützte Reihe „Neue Heimat?! Vertreibung und Neuansiedlung“ zeigt Zeitzeugendokumentationen und Filmklassiker. Mit Arthur Pohls DIE BRÜCKE von 1949 auch den ersten Film der DEFA, der sich dem in der DDR tabuisierten Thema der Vertriebenenproblematik widmete.

In der Reihe „Dramatising History: alte Schlachten, neue Narrative“ feiert die polnische historische Action-Serie PEOPLE AND GODS (von Bodo Kox, Mitglied der Internationalen Jury des 30. FFC) Europapremiere. Tarantino hätte seine Freude an dem Werk über zwei Nazi-Jäger der polnischen Heimatarmee. Viel Action bietet auch das russische Epos RZHEV – UNKNOWN BATTLE, während Dmitry Bogolubovs TOWN OF GLORY die militärisch-patriotischen Untertöne der Gedenkkultur zum Großen Vaterländischen Krieg nachdenklich reflektiert. Die beiden Filme haben beim 30. FFC ihre Deutschlandpremieren. Gefördert wird die Reihe von der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Filmdiskussionen zu TOWN OF GLORY und PEOPLE AND GODS werden von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt.


Spotlight: Česko

Aktuelles Kino aus der Tschechischen Republik – treffsicher, lakonisch, vielschichtig. Von der augenzwinkernden Milieu-Dokumentation LOST COAST über das hochemotionale Vater-Tochter-Animationsdrama DAUGHTER, fast alle ausgewählten Werke aus dem Nachbarland sind beim FFC erstmals in Deutschland zu sehen. Darunter der überaus originelle DRONEMAN von FFC-„Stammgast“ Petr Zelenka und Petr Bebjaks Mini-Serie ACTOR über einen jungen Schauspieler, der sich zur Rettung seiner Karriere in der Ära des Stalinismus zwischen Opportunismus und Familienehre entscheiden muss. Die Sektion wird in Kooperation mit dem Finále Plzeň Film Festival präsentiert und maßgeblich vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt.

Stau 1990/2020. Rechtsextremismus in Ostdeutschland gestern und heute – eine Gegenüberstellung

Rechtsextreme Gewalttaten bis hin zu Morden an Ausländern gehörten zu den hässlichen Begleiterscheinungen nach der deutschen Wiedervereinigung. Wurde in den 1990er-Jahren die Basis für den noch heute virulenten Rechtsextremismus im Osten Deutschlands gelegt? Der Blick auf das älteste Werk der Reihe, Ronald Steiners UNSERE KINDER (1989), und das neueste, LORD OF THE TOYS (2018) von Pablo Ben Yakov, ermöglicht einen Vergleich.

Die Reihe Stau 1990/2020 wird unterstützt von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Von Frust und Freiheit

Im 30. Jahr der Deutschen Einheit nimmt die Reihe die Nachwendezeit und ihre Auswirkungen in (Ost-)Deutschland und dessen Nachbarländern in den Blick. Im Mittelpunkt der Geschichte(n) stehen die Menschen. Die Werke erzählen von ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, von neuer Selbst- und Fremdbestimmung, von gesellschaftlicher Aufbruchstimmung und Resignation. Sie erzählen „Von Frust und Freiheit“. Mit DON GIO (CSR; 1992) kehren die Brüder Caban ins FFC-Programm zurück, wo ihr überdrehter Abgesang in Cottbus 1995 unter vollkommen anderen Vorzeichen schon mal zu sehen war. Zurück kehrt auch Andreas Voigt, der sich nach seiner ersten Reise durch die Grenzregion (mit GRENZLAND – EINE REISE, 1992) nach 28 Jahren im neuen GRENZLAND wieder auf den Weg dorthin gemacht hat.

Die Reihe VON FRUST UND FREIHEIT wird unterstützt von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.


Specials

Diese Sektion vereint ganz unterschiedliche Formate, die spielerisch und pointiert, streitbar und neugierig Brücken bauen – vom Familiendrama über TV-Dokumentationen bis hin zum Essay wie dem Polit-Psycho-Kammerspiel ZU DEN STERNEN von Nicolai Tegeler. Darin treffen zwei Musiker einer Undergroundband aus der ehemaligen DDR aufeinander. Der eine hat nach der Wende Karriere gemacht, während sein Freund noch am Trauma durch den Stasi-Knast leidet. Gegenseitige Verratsvorwürfe stehen im Raum. Vergangenheitsbewältigung als Publikumskino. Ganz anders: Die Weltpremiere von Maxim Melnyks SCHÖNBORN, die zwei Dörfer mit demselben Namen portraitiert, eines im Elbe-Elster-Kreis, das andere in Transkarpatien.

Russkiy Den

Die Höhepunkte des Filmjahres aus Russland: Einblicke in eine Filmlandschaft, so vielfältig, so emotional und so außergewöhnlich wie das Land selbst. Als Special in der Sektion geht das Dokumentar-Doppel A LETTER TO THE DESCENDANTS und HOMO SPERANS zwei Fragen nach: Was ist typisch russisch? Wie ticken die Russen heute? Von anfänglichen patriotischen Phrasen gelangen die Protagonisten schnell zu persönlichen Meinungsäußerungen. Außerdem im Programm: AK-47-KALASCHNIKOW, ein Biopic über den Erfinder des meistverkauften Gewehrs.

Polskie Horyzonty

Unser Nachbarland Polen bleibt eines der aufregendsten Filmländer Osteuropas – geschichtsbewusst und diskursfreudig, kontrovers und künstlerisch innovativ. Am Puls der Zeit, nah am Menschen und immer auf dem Sprung. Im Zentrum von ICARUS. THE LEGEND OF MIETEK KOSZ steht die großartige Musik der polnischen Jazz-Legende Mieczysław Kosz. Das FFC darf sich auf mitreißendes Publikumskino freuen! Seine internationale Erstaufführung feiert INTERIOR von Marek Lechki. Der Film nimmt uns mit in die oberschlesische Industrieprovinz, wo Inverstoren eine vermeintlich bessere Zukunft versprechen.

POLSKIE HORYZONTY und weitere deutsch-polnische Aktivitäten im Programm des diesjährigen FilmFestival Cottbus werden von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit unterstützt.

Heimat l Domownja I Domizna

Im Lausitzer Braunkohlerevier und unter Menschen, die mit dem beständigen Wandel leben und versuchen, im Neuen das Alte zu bewahren. In WINTERLIEB – LIBAWKA lassen Maja Nagel und Julius Günzel ihre Protagonisten Edith und Kito Penk durch die Muskauer Heide streifen und Knut Elstermann präsentiert seinen SORBEN INS KINO! AUF DER SUCHE NACH DEM SORBISCHEN FILM.

Die Reihe Heimat | Domownja |Domizna wird unterstützt von der Stiftung für das sorbische Volk.

Hits

Blockbuster, Kassenschlager, Erfolgsserien und Publikumsfilme aus Mittel- und Osteuropa: Auch zu Corona-Zeiten werden in Osteuropa Filme produziert, die in der Publikumsgunst oft vor internationalen Kino-Hits aus Hollywood liegen. Aus Rumänien kommt die Lockdown-Serie DISCUTABIL, in der fünf befreundete Schauspieler das Internet via „zoom“ zu ihrer Bühne machen. Da darf ebenso gelacht werden wie in der serbischen, weihnachtlichen Romcom THE COMMON STORY von Gordan Kičić oder in Olena Demianenkos Folk-Fantasy-Groteske HUTSULKA KSENYA aus den westukrainischen Karpaten.


Kids im Kino

Filmprogramme für klein, größer und die ganze Familie: fantastische und märchenhafte, spannende und abenteuerreiche Geschichten, die Mut und Einfallsreichtum erfordern. In SOMMER-REBELLEN stiehlt sich der 11-jährige Jonas in die Slowakei, um mit seinem fröhlichen Opa Bernard einen Sommer zu verbringen, während im russischen HOOD’S MAD ANIMALS eine musikalische Räuberbande ein Königreich retten will.

Die Sektion KIDS IM KINO wird unterstützt von der Gebäudewirtschaft Cottbus GmbH.

 

30. FFC #digital

Zusätzlich zum Filmprogramm geben Gespräche mit Filmschaffenden, Panels, Podiumsdiskussionen und Talk-Runden mit Vertretern aus Kultur, Wissenschaft und Politik, Einblick in die Filmbranche sowie historische, kulturelle und politische Zusammenhänge des Filmprogramms.

Alle Gesprächsformate werden über den YouTube-Kanal des FilmFestival Cottbus ausgestrahlt (www.youtube.com/FilmFestivalCottbus).

 

Informationen zu FFC-Tickets

Das Streaming-Angebot des 30. FilmFestival Cottbus ist vom 8. bis 31. Dezember 2020 über die Festivalwebsite abrufbar. Die Ticketbuchung ist über den jeweiligen Filmeintrag möglich. Die Filme sind in Originalsprache, wahlweise stehen deutsche oder englische Untertitel zur Verfügung. Da ein limitiertes Kontingent an Tickets für die online angebotenen Filme vorhanden ist, empfiehlt sich eine rechtzeitige Buchung.

Bereits gebuchte Tickets für das Streaming-Angebot behalten ihre Gültigkeit. Geliehene Filme können innerhalb der 24 Stunden nach erstem Start beliebig oft geschaut werden. Der Film-Start erfolgt durch die Eingabe der zuvor erworbenen Ticket-ID.

Tickets für Filmvorführungen in den Spielstätten, die in Verkaufsstellen erworben wurden, können dort zurückgegeben werden. Eine Rückabwicklung für online über reservix gebuchte Tickets ist über das Portal möglich.


Über das FilmFestival Cottbus 
Das 30. FilmFestival Cottbus findet vom 8. bis 31. Dezember 2020 bundesweit online und im Stream statt. In vier Wettbewerben und zahlreichen Nebensektionen zeigt das FFC 150 Filme, die um Preise im Gesamtwert von 72.000 Euro und die begehrte Preisskulptur LUBINA (sorbisch: die Liebreizende) konkurrieren. Erstmalig werden nicht nur die Prämierten aus dem Wettbewerb Spielfilm mit einer LUBINA geehrt, sondern auch die Preisträger aus den Wettbewerben Kurzfilm und U18 Jugendfilm. Über 22.000 Zuschauer besuchten jeweils in den vergangenen Jahren das Festival des osteuropäischen Films in Cottbus.
Maßgeblich unterstützt wird das 30. FFC vom Land Brandenburg, der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, der Stadt Cottbus, dem Auswärtigen Amt und dem Creative Europe MEDIA-Programm der Europäischen Union.

Akkreditierung möglich
Für akkreditierte nationale und internationale Vertreter von Presse und Branche richtet das FFC einen Online-Zugang zum nahezu kompletten Festivalprogramm ein. Akkreditierungen sind bis zum 4. Dezember 2020 hier online möglich: www.filmfestivalcottbus.de/akkreditierung

Für weitere Informationen, Interviewanfragen sowie sende- und druckfähige Bilder wenden Sie sich gerne an unsere PR- und Marketing-Manager Anne-Kathrin Rensch, Maria Tschanter, Denis Demmerle und Mariia Kirsanova.

Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!: +49 (0) 355/43107 -13, -14 oder -24

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