Schlagende Wellen und glättende Wogen – das osteuropäische Kino bleibt politisch

Das osteuropäische Kino bleibt politisch. Zwischen Totalitarismusparabel, analytischer Beobachtung und ätzender Satire kommen die Entwicklungen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und aktuelle gesellschaftliche Brüche auf den Prüfstand, werden die Hoffnungen der 1990er-Jahre mit dem aktuellen politischen Rückwärtsgang gegengerechnet.

In TWO TYPES OF PEOPLE (TR) von Tunç Şahin kauft eine Agentur faule Kredite von Banken auf und treibt die Schuldner mit psychologischem Druck in die Enge, während DERSAADET APARTMENT (TR) von Tankut Kılınç ein Istanbul zeigt, in dem Jugendstilbauten von alter Eleganz der Gentrifizierung weichen müssen – darunter auch das Haus und damit die mentale Heimat seines Protagonisten. In FACTORY TO THE WORKERS (HR) von Srđan Kovačević bekommt die Belegschaft einer kroatischen Werkzeugmaschinenfabrik, die sich einst gegen die drohende Privatisierung durchsetzen und eine Selbstverwaltung errichten konnte, in ihrem wirtschaftlichen Überlebenskampf die Gesetze eines des globalen Marktes zu spüren. Die kafkaeske Satire MAN FROM PODOLSK (RU) von Semyon Serzin führt die Erwartungshaltungen der Zuschauer ad absurdum, indem vorhersehbare Handlungsverläufe ins Gegenteil verkehrt werden : Ein junger Mann wird von einer Miliz verhaftet, weil er zu traurig ist, und von den Polizisten zum Tanzen und Singen aufgefordert. Zu eklektischer Popmusik erzählt LOVE TASTING (PL) von Dawid Nickel visuell schwungvoll von versteckter Homosexualität an einem jener Orte Polens, die momentan von nationalkonservativen Bürgermeistern zu ‚LGBT-freien Zonen‘ erklärt werden. A COLOURFUL DREAM (CZ) von Jan Balej bildet, in einer Mischung aus bester tschechischer Puppentricktradition,moderner Computeranimation und Schwarzem Humor, das Katz-und-Maus-Spiel einer bunten Künstlertruppe mit einem perfiden Diktator auf einer abgelegenen Insel ab – eine aus der Zeit gefallene fantasievolle Totalitarismusparabel, die heutzutage leider wieder aktuell wird.

Die Sektion VIEL NEUES IM OSTEN beschäftigt sich mit den Transformationsprozessen in Polen, Russland, (Ost-)Deutschland und der Ukraine während der neunziger Jahre. Diese Reise führt von Andreas Voigts LETZTES JAHR TITANIC (DE), der Geschichten von Auf- und Umbruch in Leipzig dokumentiert, bis hin zu THE ADMIRAL TCHUMAKOV (BE,FR), von Laurier Fourniau und Arnaud Alberola, die den ehemaligen Kommandanten eines Marinehafens an einem kirgisischen Gebirgssee porträtieren, wo bald ein modernes Ressort die Hafenanlagen ersetzen wird. In ARTISTS OF PERESTROIKA (NL) blickt die Regisseurin Masha Novikova auf den lebhaften Underground-Kulturaustausch zwischen niederländischen und russischen Gesamtkunstgruppen zu Beginn der 1990er-Jahre zurück, als gegenseitige Neugier und anarchische Experimentierfreude Lust auf grenzenloses Miteinander machten. Anlässlich des 75. Jubiläums der DEFA widmet sich eine Hommage der Ausnahme-Schriftstellerin Christa Wolf und ihrem Engagement für die innere Demokratisierung der ostdeutschen Gesellschaft.

Die politische Fülle des diesjährigen Programms vervollständigen das packende Justizirrtum-Melodrama 25 YEARS OF INNOCENCE (PL) von Jan Holoubek, sowie die mit mediterraner Leichtigkeit inszenierte Geschichte einer verbotenen Liebe zweier Frauen in der Türkei in Ümit Ünals LOVE, SPELLS AND ALL THAT (TR). Und Dāvis Sīmanis THE YEAR BEFORE THE WAR (LV, CZ, LT) über die Wirrungen des Vormärz des 1. Weltkriegs erzählt in schwarzweißen Traumbildern mit mystischen Elementen. Sie verheißen spannende, sowie zum Nachdenken anregende Unterhaltung.

 

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