PM #3 Genrevielfalt

Pressemitteilung
Cottbus 13. Oktober 2022

Das FilmFestival Cottbus ist eines der weltweit führenden Foren für das osteuropäische Kino und präsentiert in diesem Jahr 219 Filme aus 48 Produktionsländern. Darunter viele deutsche, internationale und Weltpremieren.

„Das FilmFestival Cottbus ist dafür bekannt, kein Genre auszuschließen und so sind wir stolz auf die Vielfalt auf unseren Leinwänden. Vom kontemplativen Experimentalkino über sozialkritische Arthausfilme bis zu leichten Sommerkomödien, von Mittelalter-Action bis zum Umwelt-Drama, vom Scherenschnittfilm bis zu FullDome“, beschreibt Programmdirektor Bernd Buder die diesjährige Programmauswahl.

Die Genrevielfalt reicht von Bekir Bülbüls kontemplativem Roadmovie CLOVES AND CARNATIONS (TR), der beim FFC Deutschlandpremiere hat, über die Weltpremiere der Tragikomödie KINGS OF RAP (UA) von Myroslav Latyk, in der zwei Jugendliche aus der ukrainischen Provinz auf die schräge Bahn geraten, weil sie das Motiv ‚Gangsta-Rap‘ zu ernst nehmen und dem albanischen Polit-Thriller ONE OF US (AL), einer Referenz an den Film Noir, bis zur Mittelalter-Krimi-Trilogie MELCHIOR THE APOTHECARY (EE). Diese wurde in einem der best erhaltensten mittelalterlichen Stadtensembles in Europa, der estnischen Hauptstadt Tallinn, gedreht.

Deutschland-Premieren feiern auch Dragan Bjelogrlićs mitreissende Musiker-Biografie TOMA (RS), Meel Paliales TREE OF ETERNAL LOVE (EE), eine lakonische Sommerkomödie, die zwischen Aki Kaurismäki und Olsen-Bande einen ganz eigenen Stil findet, Sophia Zornitsas MOTHER (BG/DE/HR) über eine Frau, die sich zwischen dem eigenen Kinderwunsch und ihrem politischen Engagement für Waisenkinder in Afrika entscheiden muss und Taras Tomenkos «SLOVO» HOUSE. UNFINISHED NOVEL (UA), eine Situationsbeschreibung mit Musical-Einlagen über Schriftsteller, die im Stalinismus unter Druck geraten und sich in eine Mischung aus Anpassung, Eskapismus und Zynismus flüchten.

Im Mittelpunkt des FFC stehen die drei Wettbewerbe um den besten Spiel-, Kurz-, und Jugendfilm. Bei der Lausitzer FilmSchau - Łužyska filmowa pśeglědka - Łužiska filmowa přehladka werden am Montagabend traditionell die ersten Preise verliehen. In sieben weiteren Programmsektionen gibt das 32.FFC einen Überblick über das aktuelle Filmschaffen in Mittel- und Osteuropa.

Mit 13 Filmen aus und drei Filmen über die Ukraine ist das von Russland angegriffene Land dieses Jahr in allen Sektionen des FilmFestival Cottbus stark vertreten, darunter mit drei Wettbewerbsbeiträgen.

In der neuen Sektion EcoEast werden Filme zu ökologischen Themen und Nachhaltigkeit gezeigt. Den Anfang machen Filme aus Georgien, hier befasste sich Nutsa Gogoberidze bereits 1934 in CHEERLESS mit den ökologischen und kulturellen Folgen der Trockenlegung einer Sumpflandschaft in Westgeorgien. Der lange verschollene Stummfilm wurde erst 2018 wiederentdeckt. THE HARVEST (GE/US 2019) reflektiert Georgien als weltweit drittgrößter Exporteur von Bitcoins. Regisseur Misho Antadze beschreibt die Beziehung zwischen Natur, Technologie und einer sich verändernden Landschaft. Nino Kirtadze erzählt in THE PIPELINE NEXT DOOR (GE/FR 2005) vom Bau der Pipeline Baku-Tbilisi-Ceyhan, gegen die sich in den betroffenen Regionen langsam Widerstand gegen das Mammutprojekt regt.

Im Spotlight RO steht das rumänische Kino im Mittelpunkt. Es überzeugt durch seine Alltagsnähe und dem Mut zum filmischen Experiment. Sieben Langfilme und ein Kurzfilm-Programm zeigen die Genrevielfalt des aktuellen rumänischen Kinos und erkunden Geschichte und Gegenwart Rumäniens zwischen Provinz und urbanem Raum. SWAMP CITY erzählt Geschichten über die Underground-Musikszene im rumänischen Timişoara und läuft als internationale Premiere in Cottbus. R.M.N., der neueste Film von Christian Mungiu, feiert Deutschlandpremiere beim FFC, EAGLES FROM ŢAGA erzählt die Geschichte der „Adler” aus dem transsilvanischen Țaga, der wohl schlechtesten Fussballmannschaft aus Rumänien, eine Mischung aus Leidenschaft und Trotz und Bogdan George Apetri begibt sich mit seinem sozialpsychologischem Thriller MIRACLE auf die Spur eines Polizeibeamten, der sich bei den Ermittlungen in einem Mordfall an einer jungen Nonne in emotionale Widersprüche verstrickt.

Die Filmreihe What`s left? fragt, wie sich Osteuropa mit der „Zeitenwende“ arrangiert. 16 Lang-Filme und ein Kurzfilm-Programm beschreiben die Umbruchsituation zwischen den Hoffnungen der 1990er-Jahre, der Transformation, militärischer Gewalt und neuem Kalten Krieg. Das mit leichter Hand inszenierte Railroad-Movie BRATAN von Bakhtyar Khudojnazarov (TJ1991) transportiert die Aufbruchsstimmung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Der Film wurde vor kurzem von Veit Helmer restauriert und dieses Jahr in den Venice Classics wiederaufgeführt. In BEYOND REVOLUTION – FIGHTING FOR DEMOCRACY (DE 2019) beobachtet Kristof Gerega das langjährige Engagement dreier ‚Euro-Optimisten‘ gegen Korruption und für mehr Transparenz im ukrainischen Parlament. Nataša Urban reflektiert in THE ECLIPSE (NO 2022) das Nicht-Reden über die Verantwortung Serbiens für die Zerfallskriege im ehemaligen Jugoslawien und die damit verbundenen Kriegsverbrechen. In THE LONELY LONG-DISTANCE RUNNERS (BG 2022) erzählen Investigativ-Journalisten aus ihrem schwierigen Alltag und dem politischen Druck, der auf ihnen lastet. Der Film hat beim FFC seine Welturaufführung. THE ROUTE RECALCULATED (Belarus 2022) läuft als Deutschlandpremiere. Regisseur Maxim Shved, der – wie die meisten belarussischen Filmschaffenden – sein Heimatland inzwischen verlassen hat, fängt im August 2020 ganz unterschiedlichen Meinungen von Fahrgästen im Taxi zur Präsidenschaftswahl in Belarus ein. Kornii Hritsyukerläutert in EURODONBAS (UA 2022) die wenig bekannte Frühgeschichte der Industrialisierung des Donbas, als Unternehmer aus Belgien, Deutschland, Frankreich und Wales die Region zum interkulturellen Schmelztiegel machten – so wurde dieser Teil der heutigen Ukraine zeitweise als „10. Provinz Belgiens” bezeichnet, weil hier 10.000 Belgier lebten. Und WAITING FOR HANDKE (Deutschlandpremiere, RS 2021) von Goran Radovanović erzählt vom sehnsüchtigen Warten der serbischen Bevölkerung eines Dorfes im südlichen Kosovo auf den Heilsbringer Peter Handke.

Die Filmreihe Frauenrollen im Sozialismus und danach erkundet das vielfältige Kaleidoskop der Frauenrollen nach 1945 und ihre Entwicklung bis heute. VON ETWAS ANDEREM (Věra Chytilova, CS 1963) zeigt stellt die unterschiedlichen Lebensrealitäten einer Hausfrau und einer Spitzensportlerin gegenüber. Im Kurzfilm-Programm läuft unter anderem AKTFOTOGRAFIE von Helke Misselwitz (DDR), der die Darstellung und Wahrnehmung von Frauenkörpern im Jahr 1983 beschreibt, eine Diskussion, die heute immer noch hochaktuell ist. Der musikalische Animationsfilm MY LOVE AFFAIR WITH MARRIAGE (Signe Baumane, US/LU 2022) beschreibt humorvoll und originell das Frau-Mann-Verhältnis in der ehemaligen Sowjetunion und das aus neurowissenschaftlicher Sicht. BUTTERFLY VISION von Maksym Nakonechnyi zeigt ein Frauenbild im Ausnahmezustand: die Protagonistin kämpft mit ihren Traumata, die sie nach der Folter in der der Kriegsgefangenschaft in den ostukrainischen Separatistengebieten mitbringt.

Aktuelle polnische Filme präsentiert schon traditionell die Sektion Polskie Horyzonty. Sie reflektieren in diesem Jahr Bilder der Provinz – punktgenau und pointiert zwischen Kleinstadtportrait und Melodram, großpolnischer Ebene und Hoher Tatra. ALL OUR FEARS (Łukasz Ronduda, PL) erzählt – nach authentischen Motiven – die Geschichte des Künstlersund LGBTIQ-Aktivisten Daniel Richarsky, hin- und hergerissen zwischen seiner kleinen Dorfgemeinschaft und den städtischen Kunstgalerien, der Katholischen Kirche und seinerschwulen Identität. TONIA (PL) von Marcin Bortkiewicz feiert Weltpremiere beim FFC und ist eine Familiensage zwischen Comedy und Poesie. SONGS ABOUT LOVE (Tomasz Habowski, PL)überzeugt mit der faszinierenden Musik der polnischen Independent-Sängerin Justyna Święs, die hier auch die weibliche Hauptrolle spielt - ein poetisches Schwarz-Weiß zwischen Amour fatale und Nouvelle Vague.

Das FullDome-Programm bietet im Cottbuser Raumflugplanetarium eine einzigartige Gelegenheit, vollkommen in die Filmwelt einzusteigen und sich in den Bann einer 360 Grad- Projektion ziehen zu lassen. Aus dem Gesamtwerk des Wahl-Cottbuser Filmemachers Ralf Schuster werden Filme von Super-8 bis 35 mm gezeigt.

In Heimat | Domownja | Domizna feiert Andrina Mračnikars Kinodokumentarfilm IZGINJANJE/VERSCHWINDEN (AT) über Kärntner Slowenen seine internationale Premiere. Welturaufgeführt werden zwei Folgen der dokumentarischen Serie WIE KLINGT HEIMAT (Markus Weinberg, DE 2022), in denen sich Popstar Felix Räuber auf die Suche nach den Klängen der sorbischen Lausitz macht. In DER LANGEN NACHT DER KURZEN LAUSITZER werden brandneue Kurzfilme aus der Lausitz gezeigt. Eine Hommage widmet sich Jörg Herrmann, einem der weltweit letzten praktizierenden klassischen Silhouettenfilmern.

Im FFC-Programm gibt es außerdem wieder die bereits vertrauten Sektionen Spectrum mit Filmen, die im Gedächtnis bleiben, weil sie sich dem Leben zwischen Genrefilm und Arthouse aus neuen Blickwinkeln zuwenden. Die Sektion Hits zeigt ausgesuchte Filme und Serien, die beim Publikum ihrer Produktionsländer echte Hits sind oder das Potenzial dazu haben, und Kids im Kino birgt phantastische Abenteuer und Geschichten für Kids zwischen drei und zwölf Jahren, mit der traditionellen Märchenfilmpremiere und dem Kinderfest am Festivalsonntag. In diesem Jahr premiert ZITTERINCHEN (Luise Brinkmann, DE 2021) beim FFC.


Filmlisten und weitere Informationen zu den einzelnen Sektionen erhalten Sie auf Nachfrage. Im PresseLogin auf unserer Webseite finden Sie außerdem Filmstills und weiteres Bildmaterial. Akkreditierungen für die Festivalwoche sind online möglich und für berichterstattende Presse kostenfrei.Die Veröffentlichung des Programms online ist am 18.Oktober, dann erscheint auch das Festivalmagazin mit näheren Informationen zu jedem einzelnen Filme und allen Festivalsektionen. Für Nachfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

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