PM #2 Ukraine beim FFC

Pressemitteilung Cottbus, 05.10.2022

Mit 13 Filmen aus und drei Filmen über die Ukraine ist das von Russland angegriffene Land dieses Jahr in allen Sektionen des FilmFestival Cottbus stark vertreten, darunter mit drei Wettbewerbsbeiträgen. Das Spektrum reicht vom Eröffnungsfilm LUXEMBOURG LUXEMBOURG über das Musical KINGS OF RAP bis zu Reflexionen traumatischen Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Das 32. FilmFestival Cottbus findet vom 8.bis 13. November statt. Der 11.11. steht unter dem Motto „Ukrainischer Tag“. Neben Filmvorführungen mit anschließenden Publikumsgesprächen mit den Regisseuren gibt es an diesem Tag zwei Podiumsgespräche. Im Fokus stehen die augenblickliche Situation Filmschaffender in der Ukraine und die Rolle des Kinos bei der Verarbeitung des vom Angriffskrieg geprägten Alltags und der Diskussion der politischen Kultur. An diesem Tag erhalten ukrainische Geflüchtete gegen Vorlage ihres Reisepasses freien Eintritt in alle Filme des FilmFestival Cottbus.

„Wir haben in den letzten Jahren kontinuierlich mit ukrainischen Filmschaffenden, Filmfestivals und Medienvertretern zusammengearbeitet und damit einen kleinen Beitrag für die Entwicklung dieser außerordentlichen Filmlandschaft geleistet und werden das auch weiterhin tun“, sagt Andreas Stein, Geschäftsführer des FilmFestival Cottbus. Programmdirektor Bernd Buder ergänzt: „Ukrainisches Kino ist integraler Bestandteil des europäischen Filmschaffens. Fast jährlich premieren auf den für internationale Filmstarts besonders einflussreichen A-Festivals wie Berlin, Venedig und Cannes Filme aus der Ukraine. Die Mischung aus präziser Beobachtung und poetischen Motiven und einem Hang zur Groteske macht das ukrainische Kino heute so interessant wie unberechenbar. Wir zeigen beim FFC in diesem Jahr die ganze Bandbreite des ukrainischen Films.“

Die furiose Tragikomödie LUXEMBURG, LUXEMBURG beschreibt mit nachdenklicher Situationskomik die Spurensuche zweier vollkommen unterschiedlicher Zwillingssöhne aus ukrainisch-serbischer Mischehe nach ihrem Vater. Regisseur Antonio Lukich ist damit nach MY THOUGHTS ARE SILENT (2019) zum zweiten Mal im Wettbewerb des FilmFestival Cottbus vertreten. LUXEMBURG LUXEMBURG eröffnet am 8.11. das Festival im repräsentativen Saal des Cottbuser Staatstheaters. Im U 18 – Wettbewerb Jugendfilm feiert Iryna Tsyliks nostalgischer Coming-of-Age-Film ROCK, PAPER, GRENADE seine deutsche Premiere, im Kurzfilmwettbewerb Arkadiii Nepitalyuks GOLDEN LEGGINGS.

Als Deutschland-Premieren laufen auch das Kleinstadt-Rapper-Musical KINGS OF RAP (Regie: Myroslav Latyk) und Taras Tomenkos «SLOVO» HOUSE. UNIFISHED NOVEL, ein film noir mit Musical-Einlagen über Schriftsteller, die im Stalinismus unter Druck greaten und sich in eine Mischung aus Anpassung, Eskapismus und Zynismus flüchten. Tomenkos aktueller Dokumentarfilm BONEY PILES lief dieses Jahr auf der Berlinale und ist auch in Cottbus zu sehen. Volodymyr Tykhy filmte für seinen neuen Dokumentarfilm ONE DAY IN UKRAINE am 14. März, dem “Tag der Kriegsfreiwilligen”, mit zwölf Kameramännern den Alltag in seinem angegriffenen Land. Die verstörenden Momentaufnahmen zeigen Schutzsuchende in den Stationen der Kyiver U-Bahn, Passanten, die verzweifelt versuchen, trotz Raketenbeschuss ein geregeltes Alltagsleben aufzubauen, und zwiespältige Strafmaßnahmen gegen Plünderer. Tykhy gehört als Mitbegründer des Dokumentarfilmemacherkollektivs “Babylon #13” zu den Chronisten der Euromaidan-Proteste, die 2013/14 die Domokratisierung in der Ukraine einleiteten.

ONE DAY IN UKRAINE läuft ebenso wie zwei neue Dokumentarfilme von Kornii Hritsyuk als deutsche Erstaufführung in Cottbus. Hritsyuk ist Teil der DIALOG-Jury für interkulturelle Verständigung. In TRAIN KYIV-WAR befragt er Menschen in dem Nachtzug, der bis Februar 2022 seine Fahrgäste an die Demarkationslinie zu den von pro-russischen Rebellen besetzten Gebieten im Osten des Landes brachte, nach den Gründen ihrer Reise und ihren Einstellungen zum damals in der Ostukraine schwelenden Konflikt. In EURODONBAS zeichnet er die Frühgeschichte der Industrialisierung in der rohstoffreichen Donbas-Region nach, deren Industrie maßgeblich von belgischen, französischen, walisischen und deutschen Unternehmern aufgebaut wurde. Der Fokus liegt u.a. auf dem heute stetig umkämpften Lyssytschansk.

PAMFIR, Dmytro Sukholytky-Sobchuks mitreißendes, mit folkloristischen Motiven angereichertes Kleinschmuggler-Drama an der ukrainisch-rumänischen Grenze, Maksym Nakonechnyis BUTTERFLY VISION über eine Soldatin, die mit den Folgen der während ihrer Gefangenschaft durch die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine erlittenen Folter kämpft, und Taras Drons BLINDFOLD über eine Mixed Martial Arts-Kämpferin, die in schwierigen Zeiten um Selbstbestimmung ringt, runden die ukrainische Spielfilmpräsenz beim FilmFestival Cottbus ab. Die letzten beiden Titel laufen in der Sonderreihe „Frauenrollen im Sozialismus und danach“, die sich mit Frauenbildern im Sozialismus und Postsozialismus beschäftigt.

Zahlreiche ukrainische Filmschaffende werden zu Gast in Cottbus sein, darunter neben Lukich und Hritsyuk auch Taras Dron, der zur Zeit als Nipkow-Stipendiant in Berlin lebt, sowie Stanislav Bytiutskyi und Nikon Romanchenko, die ihre aktuellen Filmprojekte bei connecting cottbus, dem Koproduktionsmarkt des FilmFestival Cottbus, vorstellen. In zwei Podiumsgesprächen am 11.11. diskutieren ukrainische Filmschaffende die Situation und Rolle des ukrainischen Kinos im vom Angriffskrieg gegen ihr Land geprägten Alltag.

 

Eine Liste der 13 Filme aus und 2 Filme über die Ukraine sowie Informationen zu den Podiumsgesprächen und ukrainischen Projekten bei connecting cottbus finden Sie im PresseLogin auf unserer Webseite. Dort finden Sie außerdem Filmstills und weiteres Bildmaterial. Akkreditierungen sind ab sofort online möglich und sind für berichterstattende Presse kostenfrei.

Weitere Informationen zum Programm und anwesenden Gästen folgen. Für Nachfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

 

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