Zum 15. Mal fand in Cottbus‘ polnischer Partnerstadt Zielona Góra das „Kozzi“-Film- und Theaterfestival statt. Benannt nach dem in dem Dorf Kargowa bei Zielona Góra geborenen Krimi-Schauspieler Maciej „Kozzi“ Kozłowski, zeigt das Festival eine Mischung aus aktuellen polnischen Filmen, gerne auch Genre, und widmet sich dem Werk einzelner Filmschaffender.
Dieses Jahr standen neben Kozłowski die Schauspielerin Ewa Dałkowska und Andrzej Wajda im Vordergrund, der in diesem Jahr 100 geworden wäre. In seinen Filmen reflektiert der Kult-Regisseur Traumata und Hoffnungen seiner Generation, groß geworden während und nach der Nazi-Besatzung und dem Zweiten Weltkrieg, konfrontiert mit dem Staatssozialismus und der postsozialistischen Transformation. Ich war von der gezeigten Auswahl wieder fasziniert – von Wajdas Helden zwischen den Stühlen, von seinen ikonografischen Film-Bildern, einer Poesie, die in jedem Film einem anderen Stil folgt, davon, dass Wajda uns einlädt, mit ihm Fragen an die condition humaine zu stellen. Demokratisches Kino mit großen Bildern, mal wild, mal mit leichter Hand inszeniert, immer punktgenau und bis heute aktuell, oder wieder besonders aktuell, weil es auch darum geht, gesellschaftliche Spaltungen zu reflektieren, die in besonders herausfordernden Situationen entstehen.
Mit Unterstützung der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit wird das FFC in seiner nächsten Ausgabe eine Hommage mit Wajda-Filmen zeigen, ergänzt um polnisch-deutsche Studierendenfilmprogramme von der Wajda Film School in Warschau und der Filmuniversität KONRAD WOLF in Potsdam, die danach fragen, welchen Einfluss sein filmisches und moralisches Erbe heute hat.
Die gleiche Frage wird auch in einem Kurs der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg im Rahmen des Studiengangs World Heritage Studies behandelt, den Prof. Jens Adam, Fachbereichsleiter Kulturmanagement, und ich dort geben. Gemeinsam mit den Studierenden besuchten wir das diesjährige Kozzi Film Festival, um einige Filme Wajdas, dem in Polen ein ganzes Kultur-Jahr gewidmet ist, zu sehen.
Daneben gab es auch noch eine Reihe neuer polnischer Filme zu entdecken, als Bester Film im Wettbewerb wurde Maciej Sobieszczańskis BROTHER ausgezeichnet, der 2025 im Wettbewerb Jugendfilm des FFC lief.
Infos: https://festiwal.norwid.net.pl/
Text: Bernd Buder