SEKTION: Close Up TR

Das aktuelle türkische Kino bleibt, trotz allem, diskursfreudig und künstlerisch überraschend. Mit psychologischem Feingefühl und unvorhergesehenen Wendungen werden aktuelle Entwicklungen, historische Bezüge und persönliche Brüche thematisiert – nachdenklich, bildstark, punktgenau, über die Grenzen zwischen Mainstream, Genrefilm und Arthauskino hinweg. An die goldenen Zeiten des türkischen Kinos, als in der sogenannten Yeşilçam-Ära bis zu 300 Filme pro Jahr entstanden, erinnert der im Vintage-Stil gedrehte THE CEMIL SHOW. Yeşilçam verbindet sich heute nicht nur mit schmalzigen Liebesfilmen und schrägen Helden, sondern auch mit antiautoritärer Coolness, freizügigeren Frauenrollen und einem durchlässigen Star-System. Noch heute arbeiten Regisseure, die mit ihren Arthausfilmen auf renommierten A-Festivals reüssieren, an zentraler Stelle in kommerziellen Produktionen oder in der TV-Serien-Industrie mit. Das sogenannte Mainstream-Kino produziert zwar jede Menge burleske Komödien und staatstragende Historienepen, dreht sich aber auch um Themen wie Gentrifizierung, Korruption und Gender-Fragen. Zwar ist es augenblicklich ruhiger geworden um kritische Stimmen in der kommerziellen Filmindustrie, die Genre-Vielfalt aber ist geblieben. Hier die Erben der Autorenfilmer-Generation, dort die publikumsnahe Schule: Gegenwärtige türkische Filmemacher inszenieren ernste Themen mit leichter Hand, verhandeln Moralvorstellungen im Genre-Format, variieren traumwandlerisch folkloristische Motive, reflektieren familiäre Verwerfungen mit schräger Frische und gesellschaftliche Einschnitte mit stiller Wut. (Bernd Buder)

Die Reihe wurde kuratiert von Bernd Buder.

CLOSEUP TR wird unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung.

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