Freitag beim 35. FilmFestival Cottbus
Der Freitag am FilmFestival Cottbus steht ganz im Zeichen politischer und gesellschaftlicher Reflexion: von zivilgesellschaftlichem Widerstand über künstlerische Subversion bis zu historischen Rückblicken, die erschüttern und zugleich erhellen.
Der Tag beginnt um 10 Uhr in der Kammerbühne mit URBAN DISOBEDIENCE TOOLKIT von Vladimír Turner. Der tschechische Künstler und Filmemacher begleitet eine Gruppe von Guerilla-Künstler*innen in Prag, die mit subversiven Installationen und Performances den öffentlichen Raum zurückerobern. Ihr Ziel: ein kreativer Widerstand gegen die Privatisierung und Kommerzialisierung der Stadt. Ein filmisches Manifest für das Recht auf Stadt – laut, mutig und inspirierend.
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Ab 11:40 Uhr lädt das Stadthaus zu einem besonderen Talk: CLOSE-UP: ESTONIA ein. Das estnische Kino, bekannt für seinen unverwechselbaren Mix aus schwarzem Humor, Poesie und sozialem Engagement, steht im Mittelpunkt dieser Diskussion. Moderator Andrei Liimets spricht mit estnischen Filmschaffenden über die Themen, Trends und Herausforderungen einer lebendigen Filmszene, die international immer mehr Aufmerksamkeit erhält. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit connecting cottbus und der internationalen Filmkritikervereinigung FIPRESCI statt, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert.
Ebenfalls hochaktuell ist der Talk: Zivilgesellschaft in Russland – Was bleibt? um 16:30 Uhr in der Kammerbühne, veranstaltet von der Deutschen Sacharow-Gesellschaft. Die Diskussion beleuchtet das Schicksal der unterdrückten Menschenrechtsorganisation „Memorial“ und fragt, wie sich in einem Klima der Repression überhaupt noch zivilgesellschaftliches Engagement entfalten kann. Mit dabei sind Sergey Lukashevskiy, der langjährige Leiter des Moskauer Sacharow-Zentrums, sowie die Regisseur*innen Taisiya Krugovykh und Vasily Bogatov (MEMORIAL/LIQUIDATION) und Sakhamin Trofimov (SONGS OF DUOLAN). Moderiert wird das Gespräch von Peter Franck.
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Am Abend, um 18:45 Uhr, läuft im Obenkino THE BIG CHIEF von Tomasz Wolski. Der Film beleuchtet das bewegte Leben von Leopold Trepper, Gründer des kommunistischen Widerstandsnetzwerks „Die Rote Kapelle“, der nach dem Krieg selbst Opfer politischer Willkür wurde. Ein beeindruckendes Porträt über Idealismus, Verrat und die doppelte Tragik des 20. Jahrhunderts.
Ab 19 Uhr empfängt radioeins live vom 35. FilmFestival Cottbus erneut das Publikum in der Kammerbühne. Moderator Knut Elstermann spricht mit Regisseur*innen, Schauspieler*innen und Programmmacher*innen über ihre Filme, ihre Themen und das Festivalgeschehen – ein lebendiger Einblick in die kreative Vielfalt des FFC.

Spannend und atmosphärisch wird es um 20:30 Uhr mit gleich zwei herausragenden Filmhighlights: In der Kammerbühne läuft THE DEATH OF DRACULA, ein originelles transsilvanisches Remake des verschollenen Dracula-Films von 1921. In surrealen Bildern und mit unheimlichem Witz spielt das Werk mit Genre- und Realitätsebenen – eine visuelle Liebeserklärung an das Stummfilmkino.
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Parallel dazu zeigt der Weltspiegel in Saal 2 TWO PROSECUTORS von Sergej Loznitsa, ein beklemmendes historisches Drama aus der Zeit der „Großen Säuberungen“ 1937, das die zerstörerische Logik totalitärer Systeme mit kalter Präzision offenlegt.

Der Abend endet laut und ausgelassen: Ab 22 Uhr steigt im Comicaze die Black Party mit Beats und Tanz bis in die Nacht. Der Eintritt kostet 5 Euro.
Festivaltickets gibt es online und an allen Spielstätten.